Mit Bedauern stellen die an Kurzwellenfunk interessierten Funkamateure fest, dass sich die Anzahl der Sonnenflecken langsam aber sicher reduziert. Damit ist die Sonne auf dem Weg zum Sonnenfleckenminimum, das etwa im elfjährigen Turnus in fünf bis sechs Jahren erreicht wird. Der von der Sonne ausgehende Teilchenstrom (Sonnenwind) wird weniger, die Ausbreitungsbedingungen auf Kurzwelle verschlechtern sich allmählich.
Die aus den Tiefen des Alls ständig kommende kosmische Strahlung, bestehend aus Elektronen, Protonen und Neutronen, intensiviert sich dagegen und trifft die Erde mit höherer Intensität. Forscher wissen schon seit einiger Zeit, dass zwischen der Sonnenaktivität und den kosmischen Strahlungen messbare Beziehungen bestehen. Um die Erde zu erreichen müssen die kosmischen Strahlen die inneren Bereiche unseres Sonnensystems durchdringen. Der Sonnenwind lenkt die kosmische Strahlung ab, die Erde bekommt weniger davon.
Der letzte Aufstieg eines mit Messinstrumenten bestückten Heliumballons in den USA bis in die Höhe von 33 km am 16.Februar dieses Jahres, ergab eine Erhöhung der kosmischen Strahlung von 12 % gegenüber zeitnahen, früheren Messungen. Die von dem österreichischen Physiker Victor Hess im August 1912 entdeckte „Höhenstrahlung“ entsteht durch Supernovaexplosionen, Sternkollisionen, Gammastrahlenausbrüche oder anderen, gewaltigen Ereignissen im All. Der Strahlstrom kann schon seit Millionen von Lichtjahren unterwegs sein.
Victor Hess erhielt 1936 für seine Entdeckung den Nobelpreis für Physik. Heutige Forscher entdecken mit den modernen Beobachtungsmethoden und Geräten außerhalb der Erdatmosphäre immer wieder neue Strahlungsquellen. Wissenschaftler diskutieren derzeit die Einflussnahme des interstellaren Teilchenstromes auf die Wolkenbildung, die elektrische Aufladung von Gewitterfronten und die damit zusammenhängenden Auslösungen von Blitzen zur Erde und die erst seit wenigen Jahren entdeckten „sprites“ in Richtung Weltraum.
In verschiedenen Studien wurde versucht, Einwirkungen der kosmischen Strahlungen auf die Gesundheit nachzuweisen. Endgültige, schlüssige wissenschaftliche Beweise liegen noch nicht vor. Für die Vervollständigung der Daten und das Zusammenführen der Messreihen existieren zahlreiche Forschungsprojekte. In Russland werden von einer Forschergruppe Blitzentladung von Wolken zur Erde registriert und genau bezüglich der Radiostrahlungen analysiert. Die in USA vorgenommen Ballonaufstiege und Auswertung der dokumentierten Daten sind ein weiteres Mosaiksteinchen auf der Suche nach den Ursachen des Klimawandels.