Wer zum ersten Mal ein neues Kurzwellenfunkgerät unter dem Weihnachtsbaum fand und über die Feiertage immer wieder mal eingeschaltet hat, wird sicherlich ziemlich enttäuscht gewesen sein, was dort auf den Bändern zu hören war. Nur schwache Signale und starkes Rauschen waren bis zum 20m-Band zu hören. Die darüber liegenden Bänder waren nahezu tot. Signale europäischer Stationen waren recht schwach und verschwanden immer wieder im sogenannten „Fading (Schwund)“.
Weiter entfernte Stationen waren selbst mit Richtantennen kaum aufnehmbar und verschwanden immer wieder im Rauschen. Aber der funkende Weihnachtsmann OF9X aus Lappland war mit guten Signalen auf den längeren Kurzwellenbändern gut zu hören und mit seinen „Elfen“ sehr aktiv. Ursache für diese schlechten Ausbreitungsbedingungen auf Kurzwelle ist der Weg der Sonne in das alle 11 Jahre auftauchende Sonnenfleckenminimum, das etwa 2020 erwartet wird. Außerdem war die Sonnenoberfläche über die Feiertage makellos blank und glich einer frischen Orange.
Kein Sonnenfleck, dessen Strahlung die Ionosphäre für Reflektion von Funksignalen hätte aufladen können, war auf der Scheibe zu sehen. Dennoch hatte die blankgeputzte Oberfläche der Sonne ihre Tücken. Aus einem riesigen sogenannten „koronalen Loch“ strömte starker Sonnenwind mit einer Geschwindigkeit von über 700 km pro Sekunde (!) in das Weltall. Die Erde kreuzte bei ihrem Umlauf diesen Elektronen- und Plasmasturm und zeigte den Bewohnern rund um die Arktis phantastische Leuchterscheinungen. Signale, die dennoch über den Aurorabereich rund um die Arktis durchkamen, zeigten in der Wiedergabe die typischen verbrummten Töne oder Echoerscheinungen. Nach den übereinstimmenden Vorhersagen werden sich die Ausbreitungsbedingungen in der nächsten Zeit nicht wesentlich verbessern.
Aber einen Lichtblick gab es für die Funkamateure in Deutschland dennoch: Die Bundesnetzagentur hat quasi als Weihnachtsgeschenk nach langen Verhandlungen mit dem DARC am 21.12.16 den Kurzwellenbereich von 5351,5kHz bis 5366.5 kHz, also ganze 15 kHz, für kleine Sendeleistungen freigegeben. In einigen anderen europäischen Ländern ist dieser Bereich schon seit längerem in Gebrauch. Natürlich waren sofort viele Stationen in diesem neuen 60m-Band aktiv und trotz des Sonnenwindes waren die Signale hier gut. Die 60m-Band ist auch ein wesentlicher Bestandteil des Notfunkkonzepts der Funkamateure. Die Funkverbindungen innerhalb Deutschlands und zu den anderen europäischen Ländern dürften in einem Katastrophenfall, in dem die öffentlichen Netze ausgefallen sind, eine sichere Kommunikation bieten.
Weltweit müssen sich alle an Kurzwellenfunk interessierte Funkamateure auf nachlassende Ausbreitungsbedingungen einstellen. Dennoch sind einige unentwegte Gruppen auch in 2017 weltweit unterwegs und werden seltene Länder funkmäßig aktivieren. Wir werden sehen, ob die Signale auch in Nordhessen ankommen. Die Beobachtung der Kurzwellenbänder auf dem Weg zum Sonnenfleckenminimum wird sicherlich interessant und die ein oder andere Überraschung bringen.