Leuchtende Nachtwolken am Nordhimmel über Kassel

Etwa eine halbe Stunde nach dem Sonnenuntergang am längsten Tag des Jahres erschienen am Nordhimmel zarte, weißblau leuchtende Wolkenschleier. Sie begannen zunächst als zarter Schleier, wurden aber in ihrer Leuchtkraft mit zunehmender Dunkelheit immer intensiver. Es handelt sich um die „NOCTILUCENT CLOUDS (NLC)“, die normalerweise zwischen Juni und August nicht südlich des Polarkreises zu sehen sind.

Derzeit sind diese NLC auch in Breiten bis fast 30 Grad Nord deutlich auszumachen. Aufnahmen der ungewöhnlichen Wolkenformationen sind aus südlichen europäischen Ländern veröffentlicht. Die leuchtenden Wolken bestehen aus Eiskristallen, die sich aus Wassermolekülen mit Meteorstaub formen.

Sie werden vom Licht der untergegangenen Sonne in der Höhe von 85-100 km (Mesosphäre) noch erfasst. Forscher stellten fest, dass zu dieser Jahreszeit in 2019 sehr viel Feuchtigkeit durch außergewöhnliche Strömungsvorgänge in der Atmosphäre bis in die Mesosphäre gelangt ist. Ein Zusammenhang mit den veränderten Klimadaten wird nicht ausgeschlossen.

Die Bildung der NLC wird wahrscheinlich auch durch die niedrige Sonnenaktivität unterstützt, bei der die Aussendung von UV-Strahlen aus der Sonne stark zurückgegangen ist, die normalerweise für die Wassermoleküle auflösende Wirkung haben. Ein Einfluss der wegen des Sonnenfleckenminimums nachlassenden Schutzfunktion des Sonnenwindes gegenüber der intensiven Weltraumstrahlung, wird auch nicht ausgeschlossen. Interessant sind auch die geriffelten Wolkenstrukturen, die in einem Teil der Wolkenformation deutlich erkennbar sind.

Hierfür dürfte die Ursache eine periodisch wiederkehrende Wellenbewegung in Zusammenhang mit der Erddrehung in der Mesosphäre sein. Die weitere Entwicklung der NLC ist unklar. Normalisierung mit Rückzug in die Polarregion oder weitere Ausbreitung in südlichere Breiten sind die möglichen Optionen. Die Zusammenhänge der einzelnen Ursachen und Wirkungen müssen noch geklärt und sind weiterhin Bestandteile intensiver Beobachtungen und Forschungsaufgaben.

Auf der Webseite www.spaceweather.com wird laufend über die weitere Entwicklung berichtet.

Die beigefügten Aufnahmen wurden am 21-6-2019 zwischen 22.45 Uhr und 23.15 Uhr gemacht.