Das Magnetfeld der Erde ändert sich

 Swarm constellation medium

Im Mai 2016 meldete spaceweather.com ein schwächer werdendes Erdmagnetfeld. Dieses Magnetfeld, das durch Rotation der Erde im Innern unseres Planeten durch den „Geodynamo“ entsteht, ist für das Leben auf der Erde eine wesentliche Voraussetzung. Es schützt uns vor dem ständigen Beschuss mit energiereichen Partikeln des Sonnenwindes und vor aus dem Weltall kommenden lebensfeindlichen Strahlen. Ohne das Magnetfeld wäre ein Leben auf der Erde nicht möglich. 

Weiterhin ist das Erdmagnetfeld in die Ausbreitung der Funkwellen über die Ionosphäre eingebunden und beeinflusst täglich die Funkverbindungen. Seit 2013 werden Messungen des Feldes durch drei baugleiche Satelliten vorgenommen, die in Bahnen von 300, 450 und 530 km die Erde umrunden. Diese als „Schwarm“ (engl. swarm) bezeichneten Satelliten wurden in Friedrichshafen gebaut und 2013 in Russland gestartet.

swarm astrium october 1 Swarm constellation in space

 

Die Signale werden von Bodenstationen in Kiruna (Schweden) und Spitzbergen (Norwegen) empfangen. Die Auswertung der Daten übernimmt eine Forschungseinrichtung in Italien. Das Projekt wird vom „Helmholtz-Zentrum Potsdam (GFZ)“ im Auftrag der Bundesregierung betreut, das Management des Satellitenbetriebes liegt bei der ESOC in Darmstadt. Die drei „Schwarm“-Satelliten haben baugleiche Instrumente für die Ermittlung der Magnetfeldstärke, für die Richtung des Feldes, für Messung der Plasmatemperatur und –dichte, Sternkameras für Positionsbestimmung, GPS-Empfänger für Positionierung und Zeitbestimmung und Laser- Reflektoren für die genaue Bahnbestimmung an Bord.

Durch Untersuchungen von Gesteinsschichten und Lava konnte bisher schon nachgewiesen werden, dass sich das Magnetfeld vor etwa 780.000 Jahren komplett umgepolt hat. Die Auswertungen der bisherigen Messungen ergaben, dass sich die Stärke des Feldes über Nordamerika um etwa 3,5 % abgeschwächt hat. Über Asien wurde in den höheren Breiten eine Zunahme der Feldstärke von etwa 2% festgestellt. Außerdem wurde über dem Südatlantik eine westwärts wandernde Region entdeckt, in der das Magnetfeld in den letzten 30 Jahren etwa 12% abgenommen hat. In dieser Region erleiden die meisten Raumfahrzeuge Störungen und die Besatzung der ISS die höchste Strahlendosis.

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Die Position des magnetischen Nordpols ändert sich pro Jahr um etwa 40km, die Anzeigen der Magnetnadel im Kompass müssen ständig angepasst werden. Von dem Projekt werden bedeutsame Erkenntnisse zum Weltraumwetter, Einschätzungen zu kosmischen Strahlungsgefahr und Störungen durch magnetische Stürme erwartet. Die große Frage ist: Beginnt bereits jetzt eine Umpolung des Erdmagnetfeldes?

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