Auf der suche nach neuen Themen für eine Talksendung, entstand die Idee auch mal über die AMSAT-DL zu berichten. Heinz Mölleken DL3AH, der langjähriger Mitarbeiter im Institut war, stellte den Kontakt zur AMSAT in Marburg, insbesondere zu Prof. Dr. Karl Meinzer, her.
Am 2. August war es dann soweit. Voll gepackt mit Aufnahmetechnik ging es dann um 8Uhr Richtung Marburg. Navi sei Dank fanden, wir auch schnell die Ernst-Giller Str. in Marburg. Die Hausnummer 20 ist ein Eckhaus, recht unscheinbar. Unten im Eingangsbereich gibt es keinen Hinweis auf die AMSAT und im Erdgeschoss residiert eine Kampfsportschule. Hier soll also High-Tech für die Raumfahrt gebaut worden sein? Die Eingangstür war offen und wir traten ein. Siehe da, ein kleines Schild an der Wand, „AMSAT-DL 1.Stock“. Also Treppe hoch, und wir standen vor einer großen Stahltür, gesichert mit einem Code-Schloß. Ich hörte Stimmen hinter der Tür und betätigte einen Klingelknopf neben dem Eingabefeld.
Filmset für die Talkrunde
Heinz Mölleken und sein Kollege Horst Wagner begrüßten uns. Wir verschafften uns einen ersten Überblick der Räumlichkeiten. Schnell fanden wir einen Platz, eine kleine Sitzecke umgeben von Bücherregalen, wo wir die Talkrunde aufnehmen konnten.
Zum Glück gab es in dem Gebäude einen Lastenaufzug, mit dessen Hilfe wir unser Equipment bequem nach oben befördern konnten.
Nun ging es los. Die Produktionsassistentin Christel Lindloff nahm sich der Dekoration des Sets an, Stühle stellen, Regale um- und einräumen. Torsten sorgte für gute Beleuchtung, Hein, der für guten Ton zuständig war, baute die Tontechnik auf und ich kümmerte mich um die Kameras. Nach ca. 2 Stunden war das Set aufgebaut und eingerichtet. Die ohnehin schon etwas höhere Temperatur der Räumlichkeiten wurden durch etliche hundert Watt Scheinwerferlicht noch etwas erhöht.
Heinz und Michael packen den Satelliten aus
Nun gingen wir zu einen Nebenraum (mehr oder weniger ein Reinraum). Da stand er nun, aufgebaut auf einem Gestell und in Folie eingepackt, der P3E. Heinz und Horst entfernten die Folie und ich machte schon einmal einige Aufnahmen von dem „unboxing“. Zum Vorschein kam ein fast flugfertiger Amateurfunk-Satellit. Es fehlten lediglich nur noch die Module, wie Transponder, Batterien usw., die in Kisten verpackt waren. Ab jetzt sollte man wie es sich für einen Reinraum gehört noch mit Haube, Kittel, Handschuhe und Überzieher über die Schuhe einkleiden. Wir beließen es bei Kittel und Handschuhe, es war schon warm genug. Nun wurde die Separationseinheit ausgepackt, ein von Prof. Dr. Meinzer entwickeltes System, um den Satelliten später von der Rakete zu trennen. Jetzt testete Heinz den Prototypen eines Drallrades, eine runde Scheibe mit 3kg Gewicht, die auf über 3000 U/min gebracht wird und magnetisch gelagert ist, also reibungsfrei. Davon wurden 3 Stück in den P3D (AMSAT OSCAR 40) eingebaut und dienten als neuartige Stabilisierungs- und Lageregelung für den Satelliten. Auf einem Nebentisch stand ein Modell, welches die Funktionsweise der Drallräder deutlich machen sollte.
Drallrad
Hierbei kamen drei Videoköpfe, die in 120° zueinander angeordnet waren, als Ersatz für die Drallräder zum Einsatz. Auch dieses Modell funktionierte ohne Probleme. Zu guter Letzt wurde noch eine Schablone, die zur Herstellung der Kabelbäume diente, ins rechte Licht gerückt.
So, jetzt war der Raum für die zweite Folge der Sendung vorbereitet.
Prof. Dr. Karl Meinzer, DK4ZC
Mitlerweile war auch Prof. Dr. Karl Meinzer (DK4ZC), der Pionier der AMSAT-DL, eingetroffen. Zusammen mit Michael Lengrüsser, dem 2. Vorsitzenden der AMSAT-DL, nahm er in der Sendung als Talkgast teil. Es fehlte eigentlich nur noch der Talkmaster. Wolfhard Eidenmüller (DO5WE) traf auch kurze Zeit später mit seiner Frau ein.
Kurze Begrüßung und mit einem kleinen Rundgang durch das Institut, informierte sich unser Moderator über die Örtlichkeiten.
Nach einer Besprechung zu den Fragen und dem Ablauf der Sendung, konnte es auch schon losgehen. Platznehmen im Set, Tonprobe, Licht und Maske wurden noch einmal überprüft. Handys aus und Ruhe am Set, Ton und Kameras liefen und die Filmklappe knallte. Wolfhard begrüßte die Gäste. Karl Meinzer und Michael Lengüsser erzählten etwas über die Historie und den Projekten der AMSAT und gaben auch einen möglichen Ausblick, wie es mit der AMSAT-DL weitergehen könnte. Die Zeit verging wie im Fluge und der festgelegte Zeitrahmen der Sendung von 30min. wurde schnell erreicht. Wir hätten noch Stunden länger zuhören können, denn es war sehr interessant und wir haben viel gelernt.
Der Moderator umgeben von Mitarbeitern der AMSAT
Für die zweite Folge über die AMSAT gingen wir wieder in den Nebenraum, dem Reinraum. – Kittel und Handschuhe nicht vergessen! Hier führte uns das AMSAT-Team die vorher getesteten Exponate vor, und gaben jede Menge Erklärungen dazu. Nach rund 30min. war auch hier alles im Kasten und Christel tätigte noch einige Fotoaufnahmen.
OM Meinzer hatte noch einen anderen Termin und verabschiedete sich schon von uns.
Nach einer kurzen Kaffeepause ging es wieder an den Abbau. Scheinwerfer aus, Tontechnik abbauen, Kameras und Stative in die Taschen. Zu guter Letzt alles wieder in den Lastenaufzug stellen und das Auto damit beladen. Was in so einen Dacia Logan alles hineinpasst ist unglaublich.
Wir verabschiedeten uns vom Rest des AMSAT-Teams. Gut gelaunt, mit viel Wissen im Kopf und Video-Material auf der SD-Karte, ging es dann zurück nach Kassel.
FA (Faszination-Amateurfunk) ist eine Initiative von Mitgliedern aus den Ortsverbänden F12 und F73.