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Wie es für den DARC zum Standort Baunatal kam


Erzählt von einem, der von Anfang an dabei war

Der Vorstand des DARC hatte sich Ende der 60er–Jahre entschlossen, die vorhandene Geschäftsstelle des DARC in Kiel (Geschäftsführer war damals OM Hans Hansen, DL1JB) und die QSL-Vermittlung in München (OM Pankow, DL1BA) in einem zentralen Ort mit guter Verkehrsanbindung in der damaligen Bundesrepublik Deutschland aus verschiedenen Gründen zusammen zu legen.

Für den Neubau war ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, den der Architekt Rudolf Stöhr aus Frankfurt/Main gewann. (OM Stöhr besuchte später erfolgreich einen der hessischen Jugendlehrgänge und erhielt das Rufzeichen DK7ZK.)
Im ersten Entwurf war auch der Bau eines Schulungstraktes mit vorgesehen. Die Realisierung scheiterte aber an den zu erwartenden Kosten des Gesamtprojektes.
Es waren verschiedene Städte mit der Anfrage nach zur Verfügung stehenden geeigneten Grundstücken angeschrieben worden. Darunter auch die Stadt Kassel.

Nachdem aus dem Rathaus der Stadt Kassel keinerlei Antwort gekommen war und eine Entscheidung möglichst bald im Club fallen sollte, bat mich seinerzeit der vom DARC-Vorstand als Sonderbeauftragter für die Bauplanung eingesetzte OM Picolin, DL3NE, festzustellen, wo die Anfrage des DARC eventuell hängen geblieben war.
OM Picolin war mein guter Kontakt zur Stadt durch die Einrichtung unserer Ausbildungskurse im Programm des Jugendbildungswerkes im Hermann-Schafft-Haus (später Teil der Volkshochschule Kassel) mit der neu eingerichteten Station DL0JK (Ende und Auflösung Oktober 1991) bekannt.
Er rief mich also an und bat mich um Unterstützung auf der Suche nach dem Verbleib des Briefes.
Diese Bitte gab ich an den Leiter des Jugendbildungswerkes, Otto Heckmann, weiter, der sich zugleich auf den Weg machte und nach wenigen Tagen Recherche im Rathaus auch fündig geworden war. Das Schreiben lag unbeantwortet beim Baudezernenten.
Es folgten dann Terminvereinbarungen mit den zuständigen Herren im Rathaus. OM Picolin reiste aus Wuppertal mit der Bahn an und wir besuchten das Baudezernat und erläuterten nochmals die Wünsche und Vorstellungen des DARC für eine zentrale Clubverwaltung möglichst mitten in der Bundesrepublik.
Man hörte sich die Ausführungen von OM Picolin interessiert an. Und der Baudezernent war anschließend der Meinung, dass ein solches Amateurfunkzentrum nur mindestens 300m von bewohnten Gebäuden entfernt errichtet werden könne. ...
Dennoch teilte man OM Picolin und mir einen Mitarbeiter zu, der uns ein Grundstück an der Autobahn bei Heiligenrode zeigte. Überzeugend für das Vorhaben des DARC war die Lage des Grundstückes nicht, und auch die Konditionen für einen eventuellen Erwerb waren nicht zu erfahren.

Enttäuscht saßen OM Picolin und ich bis zur Abfahrt seines Zuges nach Wuppertal im Shack von DL0JK und stellten uns die Frage, welche anderen Möglichkeiten sich für den Erwerb eines Grundstückes noch ergeben könnten. Otto Heckmann kam plötzlich zur Tür herein und fragte nach dem Verlauf der Verhandlungen im Rathaus. Wir berichteten von dem enttäuschenden Ergebnis und sogleich hatte Otto Heckmann eine neue Idee: Er habe gehört, dass die Stadt Baunatal Grundstücke veräußern würde, es sei kein Problem, einen Besprechungstermin dort zu bekommen.
Einige Tage später war der Termin vereinbart, und ich begleitete OM Picolin nach Baunatal. Inzwischen hatte der DARC von VW in Wolfsburg durch Vermittlung des OM Gerd Schnabel, DJ7GS, einen VW-Bus erhalten, den ich bis zur Übergabe an eine neue Geschäftsstelle übernehmen und betreuen sollte.

Wir waren also mobil und trafen uns mit einem Herrn der Stadtverwaltung Baunatal. Er zeigte uns zwei unbebaute Grundstücke: Eines an der Bahnstrecke Kassel-Naumburg, auf dem heute eine Behindertenwerkstatt errichtet ist, und als zweites Grundstück eine Wiese mit dem Namen Lindenallee Nummer 6.

Auf den ersten Blick machte die Örtlichkeit auf uns, OM Picolin, Adam Ritze, DJ9VV, OVV OV Baunatal, und mich einen sehr guten Eindruck: Ringsherum freies Gelände, im Norden in etwa 400m Entfernung die neue, noch nicht ganz fertige A 44 mit den schon fertig gestellten Anschlüssen an die Stadt Baunatal.
Noch besser wurde das Bild, als wir auf die Frage nach dem Kaufpreis für das voll erschlossene Grundstück den damals auch schon sehr günstigen Preis von 15,- DM/m² genannt bekamen.
Mit diesen Informationen, die von der Stadt Baunatal dann auch dem DARC-Vorstand schriftlich vorlagen, ging OM Picolin in die Hauptversammlung, die in Blieskastel stattfand.

Spätabends rief mich OM Picolin an und teilte mir erfreut mit, dass Baunatal den Zuschlag bekommen habe und sogar bei den günstigen Voraussetzungen 5000 m² statt der vorher festgelegten 4000m² gekauft werden sollten.
Wenige Tage später nahm mich OM Picolin zur Vertragsunterzeichnung im Büro des damaligen Bürgermeisters quasi als Zeuge mit.
Jetzt konnte es losgehen. OM Picolin übernahm die Bauleitung und wir beide richteten im Haus gegenüber im Souterrain ein Baubüro für die Bauleitung und für Besprechungen ein.

Alles lief eigentlich sehr gut an, aber nicht alle Kreise im DARC wollten eine Zentrale in Baunatal.
Im damaligen Cluborgan „DL-QTC“ gab es die so genannten „gelben Seiten“. Das waren die Anzeigenseiten des Körnerverlags, der auch die Zeitschrift druckte und den Wolfram Körner, DL1CU, führte. Bei jeder neuen Ausgabe waren wieder eine Menge Stimmen, unsachlich und polemisch, in diesen Anzeigenseiten zu lesen. Damals entstanden die verballhornten Namen „Blunatal“ und „Bananental“.
Auf den Bändern wurde gegen die Entscheidung von Blieskastel heftig argumentiert und diskutiert.
VW baute damals eine große Halle im Werk Baunatal und ich war dabei, als das zugesagte und von OM Schnabel vermittelte Sponsoring für den Rohbau der Geschäftsstelle vom Bauverantwortlichen des VW-Werkes wegen der clubinternen Querelen aufgekündigt wurde.
Es ging aber dann noch weiter: OM Picolin wurde persönlich angegriffen, er habe nicht die nötige Fachkompetenz, ein Bauvorhaben zu leiten. Schließlich sei er kein ausgebildeter Bauingenieur.

Das und weitere andere gegen das Projekt und gegen OM Picolin persönlich gerichtete Anfeindungen waren dann zu viel. OM Picolin, der sein Bauingenieurstudium wegen des Krieges nicht abschließen konnte und dann nach Kriegsende im Immobiliengeschäft seines Vaters eingestiegen war, legte seinen Auftrag Ende 1970 nieder. Die Bauleitung übernahm dann der Architekt Theo Hofmann, DJ3YN, aus Fulda, das Baubüro Baunatal wurde aufgelöst. Theo Hofmann pflegte dann intensiven Kontakt mit mir und bat mich, die eine oder andere Firma in Kassel zu ermitteln, die für den weiteren Ausbau Angebote abgeben könnten.

Auch der Architekt Rudolf Stöhr setzte sich mit mir öfters in Verbindung und hatte besondere Wünsche für den Neubau und die Gestaltung des Umfeldes.
Der OV Hannover hatte für das Amateurfunkzentrum einen Mast gestiftet, wie er damals für den Aufbau von Sirenenanlagen verwendet wurde. Der Mast bestand aus mehreren konisch zulaufenden Röhren und lagerte auf dem Dachboden eines Mehrfamilienhauses in der Innenstadt von Hannover.
Hans Rippin, DL8NR, damals OVV Kassel , und ich machten uns also mit dem VW-Bus auf nach Hannover und holten den in etwa zwei Meter lange Rohteile zerlegten Mast bei frostigen Wetter nach Baunatal. Es war eine sehr kalte Fahrt, weil sich die Heckklappe nicht schließen ließ…

Nach den Vorstellungen von OM Stöhr sollten zwei Masten auf dem Gelände für Antennenbefestigungen errichtet werden. Der zweite Mast war ein von mir bei der Bundesbahn zum Schrottpreis erworbener Lampenmast. Optisch ergebe das aber im Endzustand kein gutes Bild ab, meinte OM Stöhr und bat mich einen weiteren gleichartigen Lampenmast zu organisieren. Der war schon für den Aufbau bei DL0JK vorhanden. Wir tauschten also den Rohrmast mit dem zweiten Lampenmast aus. Beide sind heute noch die Befestigungspunkte für die Antennen auf dem Gelände.
Auch der markante Turm brauchte einen Mast, auf dem eine größere Antenne wie Beam oder Quad montiert werden sollte.
„Zufällig“ war ein kleinerer Fahrleitungsmast bei der Elektrifizierung der Bahnstrecke nach Warburg/Westfalen übrig. Auch der ging dann zum Schrottpreis an den DARC und krönt heute das Gebäude.
Zu der damaligen Zeit waren Antennenrotore, die größere Gebilde sicher drehen konnten, noch nicht auf dem Markt. Also musste eine Eigenkonstruktion gebaut werden. Dies erledigte Karl Engelhard, DJ6XN, im Bundesbahnausbesserungswerk Kassel maßgerecht für den Einbau in den Fahrleitungsmast und baute auch die dazugehörige Steuerung.

Irgendwie wurden das Gebäude und die Antennenmasten fertig und die Einweihung stand im Rahmen der Hauptversammlung 1972 in Kassel (Hotel Hessenland) für den 28. Oktober 1972 an. Ich übernahm Taxifahrten mit dem DARC-Bus und fuhr mit einigen Pendelfahrten einen Teil der Sitzungsteilnehmer aus dem Hotel nach Baunatal. Auch ein Reisebus war für die Beförderung weiterer Versammlungsteilnehmer eingesetzt. Nicht jeder  kam damals mit eigenem Auto zur Hauptversammlung. ...
Wer nun die Reden gehalten hat, weiß ich heute nicht mehr. Eines aber weiß ich noch sehr genau:
Bei der Einweihung stand neben mir der Geschäftsführer OM Hansen aus Kiel, der sich im Vorfeld strikt geweigert hatte, nach Baunatal umzusiedeln. Zu mir gewandt sagte er nur: “Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich hierher mitgekommen…“

Einige Tage vor der offiziellen Einweihung stand plötzlich ein älterer Herr mit drei Koffern bei mir im Bahnhofsbüro des Hauptbahnhofs, in dem ich seinerzeit meiner Arbeit nachging. Er stellte sich als Kurt Peers, DJ3TZ, bekannt als „ DJ3Tausend Zigarren“, vor und bat mich, mit dem VW-Bus die Taxifahrt nach Baunatal zu übernehmen. Kurt Peers war der stellvertretende Geschäftsführer in Kiel und sollte nun die Geschäftsstelle aufbauen.
Einige Tage später kam OM Feilhauer, DL3JE, aus München zur Verstärkung. Mit ihm bin ich dann unterwegs gewesen, um Büromöbel und Büromaterial zu kaufen und sonstige Wege zu erledigen, während Kurt Peers Mitarbeiterinnen für die Geschäftsstelle einstellte und die Buchführung des Clubs mittels Lochkarten machte. Der Betrieb lief langsam an, die QSL-Vermittlung übernahm OM Manfred Staar, DL3ZI, mit der „Wuppertaler Sortiermaschine“, die OM Ernst, DJ1MC, konstruiert und aufgebaut hatte. Es war also alles gut gegangen.

Mein freiwilliger und vielleicht auch unfreiwilliger Beitrag zum Aufbau der DARC-Geschäftsstelle war jetzt zu Ende. Ich übergab den VW-Bus dem neuen Geschäftsführer Ulf Kluge, DJ1BQ, und verabschiedete mich mit den besten Wünschen für gutes Gelingen.
Weil ich vom ersten Moment bei der Entwicklung des Amateurfunkzentrums dabei war, lagen und liegen mir das Amateurfunkzentrum, seine Entwicklung und sein Fortbestand nach wie vor am Herzen. Teils mit Sorge, teils mit Genugtuung habe ich die vergangenen 40 Jahre der Geschäftsstelle interessiert und auch engagiert verfolgt. Schließlich wurde ich täglich an diese Institution des Clubs erinnert: Meine XYL war von Oktober 1979 bis März 1998 dort angestellt. ...

Ich kann heute nur hoffen, dass das Wohl des DARC in den Cluborganen und letztendlich in der Geschäftsstelle immer als oberstes Ziel betrachtet wird.

Nachsatz
Sehr ausführlich ist der Weg zum Amateurfunkzentrum mit den Entscheidungsgründen, Schwierigkeiten innerhalb der Cluborgane und Mitglieder und dem Fortgang vom damals amtierenden 1. Vorsitzenden Jürgen Netzer, DL3YH, in der Verlagsbeilage zum CQDL „50 Jahre DARC e.V.“ vom September 2000, Seite 34 ff, dokumentiert.

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Harald Dölle, DJ3AS