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1924-1945

Nachdem das Medium Funk der deutschen Bevölkerung mit der ersten Sendung des Deutschen Rundfunks am 29. Oktober 1923 näher bekannt wurde, bildeten sich die Funkverbände, die sich im sog. Funkkartell zusammenschlossen. Es ging hauptsächlich um den Empfang der neuen Rundfunksender, die eigentlichen Funkamateure, die vom eigenen Sender träumten, waren in verschwindend geringer Zahl dort integriert.

Der am 5. Februar 1924 gegründete "Radioclub Cassel" hatte in FRANZ NOETHER eines seiner aktivsten Mitglieder. Nachdem die Reichspost doch nach anfänglichem Zögern die ersten Clublizenzen ausgegeben hatte, gab es im damaligen Reichsgebiet 34 Clubstationen, die auch unter bestimmten Bedingungen senden durften. Unter den 34 Stationen war auch die Station "KQ5" in Kasssel, die von dem oben erwähnten Franz Noether gebaut und errichtete worden war. Man war recht aktiv und die ersten transkontinentalen Funkverbindungen kamen zustande. So fuhr OM Noether das erste QSO Deutschland - Brasilien von der Station KQ5AU.

 

Die erste Amateurfunkstation in Kassel, die "KQ5"
Die erste Amateurfunkstation in Kassel, die "KQ5"
Im einstigen Realgymnasium I Wilhelmshöher Allee (heute Jacob-Grimm-Schule)
war die Station KQ5 untergebracht (Foto: HNA; Stadtarchiv/nh)

 

Kasseler Funkamateure mit Kleinleistungssendern
im August 1928 auf dem Dörnberg

In dem Funkkartell gärte es. Die Sendeamateure wollten sich von den Höramateuren trennen. Richtungsweisend war der Oberdeutsche Funkverband in Stuttgart mit den Namen Formis, Wiegand, von Stockmayr. Auf der Kurzwellentagung Jena im Jahre 1926 trennten sich die Sende - und Höramateure endgültig. Mit 40 Mitgliedern gründete man den DEUTSCHEN SENDEDIENST (DSD) unter Prof. Esau und Rolf Formis. Im März 1927 kam es zu der entscheidenden 3. Kurzwellentagung in Kassel, bei der sich der DEUTSCHE AMATEURSENDE - UND EMPFANGSDIENST (DASD) gründete, der als Vorläufer des heutigen DARC betrachtet werden kann.

 

 

Funkamateur Ernst Reiffen, später DL1HI,
vor seinem Empfänger

Den Vorsitz hatte Oberst a.D. Otto Fulda. Franz Noether war der Motor des Kasseler Clubs, er war unter KQ5 sehr oft zu hören und hatte das DE-Kennzeichen DE0038. Nach über einjähriger erfolgreicher Tätigkeit in Südamerika für das CONDOR - Syndikat stürzte Nöther auf einer Dienstreise mit seinem Wasserflugzeug bei Natal tödlich ab. Neben Noether hat sich auch ein weiterer Funkamateur um die Aktivitäten in Kassel verdient gemacht: Dipl.-Ing. Ernst Reiffen, der später als DL1HI noch QRV war. Von ihm gingen einige Feldversuche über Ausbreitungsmöglichkeiten aus, die mit transportablen Geräten rund um Kassel zu Fuß und mit einem kleinen Opel durchgeführt wurden, und über die die Zeitschrift "CQ" ausführlich in Bild und Wort berichtete. Ortsverbandsvorsitzender wurde 1929 OM Heinrich Franke, D4SFT, der durch Franz Noether in das Hobby schon Anfang der 20er Jahre eingewiesen worden war und wie viele der damaligen Amateure "schwarz" sendete. Seine Amtszeit ging bis zum Zusammenbruch 1945, nach dem Krieg hat er das Rufzeichen DL3QI bekommen. Heinrich Franke verstarb im hohen Alter 1990 in seiner Wahlheimat Brilon.

 

07.04.08 - DJ3AS, Fotos: aus CQ DASD, August 1928