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Momentan sind in den Ausbildungskursen oft Menschen, welche schon jahrelange Berufstätigkeit hinter sich haben. Da sind solche Dinge wie Bruch-Rechnen, Umstellen von Gleichungen stillschweigend aus dem Kopf verschwunden.

Meistens erinnert man sich nur daran, dass es kompliziert und frustrierend war. Der Mathe- und Physikunterricht war gehasst. "Ich war schlecht in Mathe", wird dann oft wie eine Auszeichnung getragen, mitfühlend benickt von den anderen Teilnehmern. Im folgenden möchte ich die stärksten 3 Hürden benennen und anregen, sie zu überwinden.

 

Ich kam darauf, weil es mir als studiertem Mathematiker ganz genauso geht.

1. Einstellung ändern, wir sind nicht mehr in der Schule

Man ist nicht mehr in der Schule und tut sich die Ausbildung zum Funkamateur aus freien Stücken an. Man kann jeder Zeit aufhören und muss sich nicht quälen. So, wie man solch einen Brocken wie Klasse E Zeugnis mit Freude in Angriff nimmt, muss man diese Motivation und Disziplin auf die Themen Mathematik und Physik in der Amateurfunkausbildung übertragen.

Die Schatten des oft verkorksten Mathematik-Unterichts, schlechter oder als schlecht empfundener Lehrer und die eigene Abwehrhaltung sind nur noch gefühlt da, traumatisch.

Jetzt ist man ein erwachsender Mensch, ist nicht gezwungen und hat einen anderen Horizont als in der 6. Klasse. "Versucht euch ein positives Lerumfeld für euch selbst zu schaffen, wir unterstützen euch beim Verstehen und Anwenden." Die Situation bei uns in der Ausbildung und jeder selbst ist anders als vor Duzenden vor Jahren.

2. Selbsterkenntnis, Neuanfang

Für manchen gestandenen Meister ist es schon ein hartes Stück Selbsterkenntnis, dass er das Bruchrechnen einfach nicht mehr beherrscht. Bestimmte Dinge sind eben nicht mehr einfach und müssen neu angeeignet werden. Dies muss man für sich selbst annehmen können und damit umgehen. Es ist überhaupt nicht schlimm, sondern normal. Schlimm ist nur, wenn man deswegen mit sich hadert.

Ich sage immer: "Ich erkläre es auch zum 20ten Mal und das ist völlig ok. Wir machen weiter, wenn alle es soweit verstanden haben."

Wiederholung und wiederholte Erklärung des Grundlegendsten ist integraler Bestandteil der Ausbildung, wie wir sie verstehen. Wenn man ein Kapitel auf drei Abende aufteilen muss, dann ist das eben so. 

Aus meiner Erfahrung kenne ich mittlerweile die immer wieder kehrenden Fragen, die Fallstricke beim Überlegen und die Stolpersteine in den Formulierungen des Fragenkataloges. Manches erkläre ich dann über die Sprache, auch unkonventionell und beispielreich, ohne den Inhalt zu verflachen. Eselbrücken bringen die Teilnehmer oft selbst mit und viele solcher habe ich auf diese Weise mitgenommen oder selbst formuliert. So können wir uns neu und gemeinsam den Grundlagen widmen.

3. Anderes Lernen, stete Wiederholung und kleine Päckchen

Hat man nun seine Einstellung soweit reflektiert und den Neubeginn akzeptiert, steht man vor der nächsten Hürde: Das Lernen erfordert sehr viel mehr Zeit als im Studium oder Lehre. Selbst wenn man in einem Immer-Lernen-Müssen-Beruf steht, also im Training ist, ist dies so. Stete Wiederholung und kleine Lernpäckchen sind der Schlüssel zum Erfolg. Sich selbst zu überfordern, bringt uns hier nicht weiter sondern schmälert das Positive unsere Lernsituation. Kleine Päckchen lassen sich gut bewältigen und man hat kleine aber stetige Erfolgserlebnisse.

"Jeden Abend eine halbe Stunde und alle Aufgaben wirklich mehrfach rechnen, Rechnen üben", sage ich fast nach jeder beendeten Lektion. Und wenn einem die Q-Kürzel schwer fallen, dann lernt man iterativ jeden Tag nur Eines und wiederholt das vom Vortag. Da gibt es tolle Lern-Apps auf Mobilgeräten, die uns da bei der Wiedervorlage von Fragen unterstützen (Stichwort: Superlearning-Algorithmus).

Was erschwerend hinzu kommt, ist das veränderte Lernverhalten. War man früher eher jemand, der sich das zu Lernende über wiederholtes Aufschreiben einprägte, so kann sich das im Laufe der Jahre geändert haben. Wir müssen herausfinden, was für ein Lerntyp wir geworden sind. Man kann mehr mit Farben arbeiten, Unterstreichungen, Merksätze formulieren, Spickzettel schreiben... Das ist eine spannende Sache und jeder lernt auf alle Fälle eine Menge über sich selbst.

Fazit

Wir versuchen jede Ausbildungsstunde die gewonnenen Erfahrungen einzusetzen, die Lernsitutation und die Reflexion der Teilnehmer zu verbessern.

So fügen wir in den Ausbildungsbetrieb regelmäßig Mathe-Spezial-Abende ein. Da widmen wir uns dann speziell z.B. Potenzrechnen, Bruchrechnen oder Umstellen von Gleichungen.

Ruhig, langsam und ausführlich.

Kommt vorbei und wagt euch mit uns durch die Fragen und Lektionen. Quereinstieg ist jederzeit möglich.

73 de Hendrik, DL1HX